Der Frage nach dem Sinn von Gefühlen, der psychologischen Erforschung der Emotionen unter der Perspektive der Jungschen Psychologie, galt und gilt Verena Kasts therapeutische, wissenschaftliche und publizistische Lebensarbeit. Denkbar grösste Beachtung erhielt früh ihr Buch über die Trauer – zugleich das Thema ihrer Habilitation –, indem sie den Verlauf und die Aufgaben des Trauerprozesses an Hand von Traumserien von Betroffenen herausarbeitete. Grossartig die Idee Verena Kasts zu einer „Biographie der Freuden“; die Idee, dass wir – im Blick auf das ganze Lebensgefühl – als Gegengewicht zur Anamnese unserer Leiden, wie sie zu Beginn einer jeden ärztlichen und psychotherapeutischen Behandlung erhoben wird, auch eine Anamnese unserer Freuden von Kindheit an erstellen könnten. Mit grosser Forschungsneugier, Kreativität und Menschenfreundlichkeit setzt sich Verena Kast immer wieder neu mit Emotionen wie Angst, Ärger, Neid, Eifersucht, Langeweile, Liebe, Hoffnung und Freude auseinander. Ihr bisheriges Lebenswerk ist zu einer umfassenden Psychologie, Tiefenpsychologie der Emotionen gediehen. Sie hat durch ihre umfassende Lehrtätigkeit und Tätigkeit als Lehranalytikerin Generationen von Psychologinnen und Psychologen geprägt. Als Präsidentin des C. G. Jung-Instituts Zürich, als langjährige Vorsitzende der Internationalen Gesellschaft für Tiefenpsychologie und Mitglied der wissenschaftlichen Leitung der Lindauer Psychotherapiewochen, als Referentin an Kongressen und Tagungen sowie Autorin zahlreicher Fach- und Sachbücher, die in viele Sprachen übersetzt und in jeweils zahlreichen Auflagen erschienen sind, ist sie weit über den deutschsprachigen und europäischen Raum hinaus renommiert und bekannt.